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Robert Stigwood (*1934)
Produzent,
Manager, Promoter
HISTORIE
Robert Stigwood kann man
heute durchaus als einen Pionier im Musikgeschäft bezeichnen. Gemeinsam
mit Produzentenlegende Joe
Meek wirbelte er Anfang der 60er Jahre den starr
organisierten englischen Musikmarkt durcheinander, indem er
als unabhängiger Unternehmer der Industrie fertige Produkte anbot, die
diese nur noch vertreiben musste. Und, viel
wichtiger, er hatte bemerkt, dass man marktübergreifend noch mehr
Geld machen konnte. Das Konzept Theater, bzw
Film und Musik erfolgreich zu verbinden, zieht sich als roter Faden
durch seine gesamte Karriere und veränderte
die Musikindustrie grundlegend.
Zunächst begann der 1934 in Australien geborene
Stigwood in London allerdings mit einer kleinen Theateragentur. Einer seiner
Schauspieler war John
Leyton, der sich in der
Not keine vernünftige Rolle zu finden, auch als Sänger versuchte.
Stigwood traf auf den Toningenieur Joe
Meek und gemeinsam begannen sie mit Leyton Songs
aufzunehmen. Meek begeisterte Stigwood schließlich von
der Idee, Schallplatten
unabhängig zu produzieren und das fertige Produkt dann von
der Industrie vermarkten zu
lassen - und anteilig zu
kassieren.
Die ersten beiden Singles 'Tell Laura I Love Her' und
'Girl On The Floor Above' floppten jedoch. Aber
1961 brachte Stigwood John
Leyton in der TV-Serie 'Harper's
West One' unter und verstand schnell, dass es kaum
bessere Promotion für einen Sänger gäbe, als eine landesweit ausgestrahlte
Fernsehsendung. Stigwood ließ einen
Song maßschneidern, den Leyton in der Sendung singen
sollte - der Rest ist Geschichte. 'Johnny
Remeber Me' war sagenghafte 15 Wochen die #1 der britischen Charts
und eroberte auch den Rest Europas im Flug.
Dieser Erfolg war die Initialzündung für Stigwood.
Der
Erfolg des Teams Stigwood/Leyton/Meek brachte
eine ganze Reihe anderer Produzenten auf den Plan, die ihrerseits
unabhängig produzierten und so den
britischen Musikmarkt umzukrempeln begannen. Nachdem
Joe Meek
das Team verlassen hatte, war
Stigwood gezwungen, seinen Schützling auch zu produzieren.
Doch in den Abbey Road Studios
ließ sich der einzigartige
Joe-Meek-Sound
nicht reproduzieren und Leytons Gesangskarriere
verlief sich Ende 1964 im Sande.
Stigwood war jedoch immer faszinierter von der Idee, an jedem Aspekt
der Vermarktung eines Künstlers so viel wie
möglich selbst zu verdienen.
So stieg er 1965 als Tourpromoter in die Szene ein,
verlor dabei aber viel Geld. Dazu kam, dass er seinen Schützling
Simon Scott
mit einer lächerlichen (aber
teuren) Promotionkampagne zum Gespött des Business gemacht hatte,
sodass Stigwood am Rande des Ruins stand.
Dies verstand er jedoch geschickt zu verschleiern, zumal er seinen
aufwändigen Lebensstil weiterführte. Sein
agressiver Arbeitsstil und die ungeheure Geschwindigkeit, mit der
sein Unternehmen expandierte, brachte ihn immer
mehr in Konflikt mit der Presse, mit Musikern und anderen Produzenten
und Agenten. 1966 gründete Stigwood sein eigenens Plattenlabel
Reaction Records.
Seine erste Veröffentlichung war die Single 'Substitute'
von The Who.
Ein Coup, denn The Who
waren eigentlich vertraglich an den Produzenten Shel Talmy gebunden,
hofften jedoch, durch diesen Schritt von
ihm loszukommen. Stigwood nutzte die Gelegenheit und organisierte
eine US-Tour für The Who
und schickte
die Band Cream,
die er kurz zuvor als Manager übernommen hatte,
als Vorgruppe mit.
Im Dezember erscheinen die
ersten beiden Alben auf Reaction: The
Whos "A Quick One" und
das Debut von Cream
"Fresh Cream". Beide Alben
erklommen die Top 10 der britischen Charts. Mit diesen Pfunden
in der Hinterhand schloss er zum
Jahreswechsel 1966/67 einen Distributionsvertrag mit Polydor (UK).
Er wusste, dass Roland Rennie, mit
dem Stigwood bereits
bei der EMI
zusammengearbeitet hatte und der als Schlüsselfigur
im britischen Musikgeschäft galt, den
neugegründeten Ableger der deutschen Polydor führen
würde. Rennie galt als der Mann,
der die Beatles
in den USA
etablierte hatte, für Stigwood somit der richtige Partner, denn
ihm schwebte vor, das nächste Album von Cream
in den USA produzieren zu lassen. Der Deal mit Polydor machte das
nun möglich.
Doch
1967 war ein Jahr, das noch mehr Veränderungen
bereit hielt. Im Januar unterschrieb Robert Stigwood
mit seinem Freund Brian Epstein,
Gründer und Inhaber von NEMS
Enterprises und seines Zeichens Beatles-Manager, einen
Vertrag, mit dem deren beiden Firmen
fusionieren
sollten. Epstein war es offenbar müde sein unaufhaltsam wachsendes
Unternehmen länger alleine zu führen. In
Stigwood, mit dem ihm eine intensive Freundschaft verband,
glaubte er offenbar einen fähigen
Partner gefunden zu haben.
Doch er hatte die Rechnung ohne seine Mitarbeiter und - vor allem
- ohne die Beatles
gemacht, die ihm drohten,
auf allen zukünftigen Singles 'God Save The Queen' aufzunehmen
(falsch gesungen selbstverständlich!) falls Stigwood deren
Manager werden würde. Robert
Stigwood galt als rücksichtslos und mit seinem Benehmen machte
er sich stets mehr Feinde als Freunde im Musikgeschäft. Epstein schlug
jedoch alle Bedenken in den Wind,
blieb aber Manager
der Beatles.
Doch schon bald kamen Epstein Zweifel. Stigwoods Art
mit Geld umzugehen, missfiel ihm zunehmend. So hatte Stigwood
eine Yacht gemietet, um seine jüngsten
Schützlinge, die noch völlig unbekannten Bee Gees, zu
promoten. Vertrauten Epsteins
Zufolge beschloss dieser bald,
Stigwood wieder loszuwerden. Doch dazu kam es nicht mehr. Brian Epstein starb
völlig überraschend im August
1967.Und als Clive
Epstein seinen Bruder bei NEMS ersetzte, verließ
Stigwood die Firma im Dezember, um seine
eigene,die Robert
Stigwood Organisation, zu gründen, nicht ohne
seine Acts mitzunehmen.
1967
war aber natürlich auch das Jahr, in dem
Stigwood die Bee Gees
traf und ihr Manager wurde. Dass die Bee Gees
nie auf Stigwoods Reaction
Label veröffentlicht
wurden, lag daran, dass Ronald
Rennie 'Spicks And Specks' längst
veröffentlicht hatte, nachdem ihm der Song
von Nat Kipner
in Lizenz angeboten wurde. Somit hatten die Bee Gees bereits einen
Plattenvertrag bevor sie
überhaupt in England angekommen waren. Im Februar 1967 machten Rennie
und Stigwood daraus einen Fünf-Jahres-Vertrag
und im Sommer 1967 erschein das erste Album der Bee Gees auf
Polydor,
damals noch in Lizenz für Reaction
Records.
Stigwoods Label wurde mit seinem Ausstieg bei NEMS
Enterprises aufgelöst und von Polydor übernommen.
Drei Alben, zwei von Cream und eines von The Who, eine EP und
18
Singles waren in diesem Jahr bei Reaction
erschienen. Nicht viele aber
allesamt recht erfolgreiche Veröffentlichungen (und heute praktisch
alle Kult). Doch mit der
Robert Sigwood
Organisation sollte Stigwood erst richtig loslegen.
Mit
seinen Firmen promotete er über die Jahre Musiker wie
Mick Jagger
oder David Bowie,
war als Manager tätig für die Bee Gees, für Cream. Blind Faith, Eric Clapton, Jack
Bruce und später Andy
Gibb. Und auf seinem 1973 gegründeten Label
RSO Records
veröffentlichte er nicht nur die
Bee Gees,
Eric Clapton
oder Yvonne Elliman
sondern auch
Soundtracks zu Filmen wie Star Wars, Grease, Fame oder Saturday Night Fever,
die er zumeist auch noch von RSO
Films produzieren ließ. RSO Records kann
zweifellos von
sich behaupten, zu einem der erfolgreichsten Labels aller Zeiten zu
gehören. Erstaunlich für ein unabhängiges Label, das mit Atlantic und
Polygram
allerdings auf zwei potente Vertriebspartner bauen konnte.
Ein
weiterer erfolgreicher Zweig seines Unternehmens
war die Musicalproduktion. Nachdem Stigwood den Film Hair gesehen
hatte, brachte er das Musical in London sehr
erfolgreich auf die Bühne. Dem folgten, nicht weniger erfolgreich,
Produktionen wie Oh
Calcutta!, Sing
A
Rude Song (mit Maurice
Gibb), Sweeney
Todd, John
Paul Ringo and Bert, sowie die
Lloyd-Webber/Rice-Stücke Jesus
Christ Superstar und Evita.
Nicht zu vergessen die Musicals seiner
eigenen Filme Grease
und natürlich Saturday
Night
Fever Aber auch Film
und Fernsehen waren nicht sicher vor
Stigwood. Als Anfang der 70er die Karrieren der Bee Gees ebenso
durchhingen wie die des Eric
Clapton, kaufte
Stigwood eine TV-Produktionsfirma, die die US-amerikanischen
Serien All In The Family
und Sanford
& Son entwickelt hatte. 1973 produzierte RSO Films
mit Jesus Christ Superstar
zudem den ersten Kinofilm, der als Basis eine populären Vorlage aus dem Rockmusikbereich hatte. Es folgte
eine hochgelobte Filmversionen von Tommy,
besetzt mit exquisiten Schauspielern und Ken Russell als
Regisseur -
und natürlich Saturday
Night Fever, der vermarktungstechnisch alles
bisher dagewesene in der Film- und Musikindustrie in den Schatten
stellte und neue Maßstäbe setzte, die selbst Stigwood anschließend
nicht mehr erfüllen konnte.
Stigwood musste immer auch mit Flops leben,
doch der
Anfang vom Ende der RSO
war sicher der Film Sgt.
Pepper's Lonely Haert Club Band.
Das Spektakel nahmen ihm
viele Leute vor allem aus dem Musikgeschäft übel, zumal es damals
Stimmen gab, die behaupteten, Stigwood hätte
sich mit diesem Machwerk und der Adaption des Beatles-Materials
für deren Reaktion auf die Fusion seiner
Firma mit NEMS
im Jahr 1967 rächen wollen. Jedenfalls war es der Höhepunkt
von Stigwoods Größenwahn und Maßlosigkeit.
Die Robert Stigwood Organization stellte 1983 ihren
Betrieb ein. Nicht nur deren letzte Flops, sondern
auch
Differenzen mit Künstlern und Mitarbeitern ließen die Firma zu einem
Schatten ihrer selbst werden. Stigwood verlor zunehmend das Gespür für
das was die Leute sehen und hören wollten. 1980 verlor RSO praktisch
alle seine Künstler. Alleine die Bee
Gees waren noch unter seiner
Obhut. Aber auch sie klagten gegen ihn, einigten sich jedoch später
außergerichtlich.
Stigwood hatte mit seiner Organisation einen Hype
geschaffen, der die ganze Musikszene befallen hatte und bei der jeder
gerne mitgemacht hatte. Aber als der Hype wie
eine riesige Seifenblase platze, ebnete dies einer Industrie den Weg,
die
in der folgenden Depression ohne Rücksicht und als würde es kein Morgen
geben, Labels aufkaufte und den Markt unter sich aufteilte bis eine
handvoll Konzerne übrig blieben. - gerade als eine neue Generation
unabhängiger Labels und Produzenten begann, auf dem Musikmarkt Fuß zu
fassen. Robert Stigwood wirkte weiter, tat dies jedoch in den folgenden
Jahren eher im Hintergrund. Er lebt heute auf der Isle Of Wight im Süden Englands.
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