BEE GEES Discografie

BARRY GIBB. I'LL KISS YOUR MEMORY (SINGLE)

Mai 1970

Barry Gibb begann die Aufnahmen zu seinem Soloalbum im Februar 1970. Im März war das Album "im Kasten" und im Mai erschien die Vorab-Single, die rührselige Country-Pop-Nummer 'I'll Kiss Your Memory'. Eine Schande, denn Barry Gibb hatte reichlich gutes Material eingespielt, aus dem sich einige gute Singles hätten machen lassen.

Barry Gibb konnte als einziger der Gibb-Brüder auf die Unterstützung Robert Stigwoods zurückgreifen. Stigwoods Maxime (die ihren Teil zum Konflikt unter den Brüdern beitrug) lautete, junge gutaussehende und gutangezogene Männer verkaufen viele Schallplatten. So machte Stigwood aus Barry Gibb einen eitlen, durch Londons "Szene" stolzierenden Pfau, dem sich die Boulevardpresse gerne annahm. Obwohl die Single trotz all dieser "Bemühungen" völlig unterging, änderte das zunächst nichts an der Veröffentlichumg des Albums. Im Gegensatz zu den anderen unveröffentlichten Alben der Brüder Robin und Maurice Gibb, die ebenso im Herbst 1970 zur Veröffentlichung anstanden, war 'The Kid's No Good' bereits komplett fertigestellt und zur Veröffentlichung für den Herbst 1970 vorgesehen.

Im Sommer trafen sich Robin Gibb und sein Bruder Maurice erstmals wieder gemeinsam im Studio, um die Situation zu beraten und ein paar Songs gemeinsam einzuspielen. Zunächst sträubte sich Barry gegen eine Reunion der Band. Im August signalisierte er jedoch seine Bereitschaft an einem Bee-Gees-Album mitzuarbeiten, ohne jedoch seine Solokarriere dafür zu opfern. Wer ihn dann doch noch überzeugt hat - wen interessierts?

So blieb dieses Album bis auf 'I'll Kiss Your Memory' und dessen B-Seite 'This Time' unveröffentlicht. Allerdings wurden einige Titel im Anschluss an andere Interpreten abgegeben, so dass sie der Welt nicht völlig vorenthalten wurden.
Den Opener 'Mando Bay' etwa bekam Peter Maffay, der auch in den Jahren darauf ein guter Kunde der Bee Gees sein sollte. Katja Ebstein sang 'Frieden in Mir', was eine deutsche Version von 'Peace In My Mind' war (1971 sang Katja Ebstein auch eine deutsche Version von 'How Can You Mend A Broken Heart). 'One Bad Thing' ging an die Australier Wildwood, die daraus 1972 eine Single machten und Lou Reizner veröffentlichte 'The Day Your Eyes Meet Mine' 1971 als Single. Leider wurde keiner der Songs ein Verkaufsschlager. Trotzdem konnten wenigstens ein Teil der Kosten, die das unveröffentlichte Projekt verschlungen hatte und die Barry Gibb ganz alleine tragen musste, wieder hereingeholt werden.

Über die Jahre gab es verschiedene Bootlegs dieses Materials (u.a. von Ladybird), deren Tracklisting variierte. Die aktuellste Version erschien 2004 und stammt von den originalen Masterbändern, klingt also beinahe wie eine offizielle Veröffentlichung. So kann man auch erstmals die hohe Produktionsqualität des Materials, das im 16-Spur-Verfahren aufgenommen wurde, angemessen würdigen!


 
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