SPIRITS HAVING FLOWN
Februar 1979
'Spirits Having Flown' war ein hartes Stück
Arbeit für die Bee Gees. Der
Erwartungsdruck war nach all den Erfolgen der voran gegangenen Alben
gross. Die Bee Gees haderten allerdings
mit ihrem Image als Disco-Stars und mussten zusätzlich verlorene
Reputation für ihr Mitwirken am 'Sgt Pepper Film' zurück gewinnen. So
mussten einige Kompromisse eingegangen werden. Herausgekommen ist ein
Album, dass KEIN Disco-Album ist! Nicht, weil die Disco Zeit
unbestritten vorüber war, sondern weil die Bee Gees
sich auf ihre Stärken, das Singwriting besannen und weniger auf die
Verpackung.
Warum das nicht funktionierte und die Medien und die Industrie, aber
auch viele Fans in den Bee Gees nichts
anderes sehen konnten, lag an der vorab veröffentlichten Single
'Tragedy', die so offensichtlich an 'Stayin' Alive' anzuknüpfen
versuchte, das es schon ein wenig peinlich war. Hätte man sich für
einen anderen Song als erste Single entschieden, wären die Reaktionen
möglicherweise nicht so hoch geschlagen, doch Tragedy, das plump wie
ein Fremdkörper auf dem Album zwischen all den ausgefeilt arrangierten
Songs wirkt, goss noch Öl ins Feuer: So gab es in Amerika
Radiostationen, die Bee-Gees-freie
Wochenenden anpriesen und als Höhepunkt der Geschmacklosigkeit gab es
sogar Plattenverbrennungen.
Das Album wird extrem durch Barry Gibbs Falsett geprägt. 'Spirits Having Flown' wirkt wie viele Projekte seit 'Saturday Night Fever', als eine Art Barry Gibb Soloalbum. Von den Brüdern Robin und Maurice ist praktisch nichts zu hören. 'Spirits Having Flown' ist aber auch das letzte Album, auf dem vor allem Robin Gibb derart ausgegrenzt wird.
Ein 'Spät-70er-Post-Disco-Album', ein klein wenig wehmütig, aber relaxt. Gute Band, prima Songs, überdurchschnittlich. Es ist das erste Bee Gees Album auf dem Maurice Gibb nicht den Bass spielt.
Die Tantiemen für 'Too Much Heaven' haben die Bee Gees 1978 der Kinderhilfsorganisation der UNO (UNICEF) überlassen, nachdem sie den Titel am 10. Januar 1979 live in der UNO Hauptversammlung aufgeführt hatten. Die dadurch entstandene Kampagne, die notleidenden Kindern in aller Welt hilft, hat bis heute über 5 Millionen Euro zusammengebracht.






