O.S.T. SGT. PEPPER'S LONELY HEARTS CLUB BAND
Juli 1978
Ich erinnere mich gut. Ich traute diesem
Album nicht, konnte mich nicht recht zum Kauf durchringen. Was hörte
man nicht alles: Frevel! Geldschneiderei! Ausverkauf! Und dann, als ich
mir einen Ruck gab, und loszog in die Plattenläden, stand das
Doppel-Album überall für 1,99 DM herum. Ich war alarmiert, so dass ich
es zwar kaufte, mir aber jahrelang nicht anhörte. Irgendwie traute ich
mich nicht, zumal mal man ja schnell mitbekam, dass das Album floppte.
Sollte es also auch noch schlecht sein!? Puh! Das wäre zuviel!
Natürlich war das Geldschneiderei, natürlich hatte es etwas Frevelhaftes und es war definitiv eine Form von Ausverkauf. Robert Stigwood hatte nichts verstanden. 'Saturday Night Fever' hatte einen Nerv getroffen, hatte aus den Nichts etwas geschaffen, einen Trend, ein Lebensgefühl kreiert, eine Musikrichtung etabliert; das Sgt. Pepper-Projekt war das genaue Gegenteil, eine Konserve, ein vergangenes Lebensgefühl, bombastisch aufgebauscht, bunt und dämlich
Die Bee Gees merkten schon während der Dreharbeiten schnell, in was sie da hineingeraten waren. Ein Rückzug war aber nicht möglich. Sie mussten das also durchziehen. Für Künstler, die halbwegs ernst genommen werden wollten, eine Katastrophe.
Dabei war das Album selbst recht aufwändig produziert, doch als der Film floppte, brachte das Projekt einen ganz schönen finanziellen Verlust mit sich, obwohl sich in den USA das Album einigermaßen verkaufte.
George Martin persönlich stand als Produzent des Albums zur Verfügung und leistete gute Arbeit. Aber die Musik funktioniert nicht, weder als Beatles-Hommage noch als Tribut, ist weder originell noch irgendwie spannend. Ein Grund ist die Musical-Struktur des Albums. Sicher kann man aus jedem noch so ernsten Thema ein Komödie machen, aber etwas derart unpassendes wie Steve Martin, Donald Pleasence oder George Burns Beatles-Titel "singen" zu lassen ist dann schon eher albern.
Die Highlights des Album aus Sicht der Bee Gees sind schnell aufgezählt: 'Oh! Darling', als Single in den USA recht erfolgreich (Billboard # 15) und von Robin Gibb gesungen, ist eine äußerst solide und bittersüße Coverversion, die nicht umsonst die US Charts stürmte. Hörbar sind im Grunde auch all dieBee Gees-Versionen von Klassiker wie dem wunderschönen 'Nowhere Man'. 'Because', im Duett mit Alice Cooper ist ebenso erwähnenswert wie Aerosmiths 'Come Together'-Version, die als Single ebenfalls die Charts stürmte. Über den Rest (und vor allem über Peter Frampton) sollte man den Mantels de Schweigen legen und die Originale hören!





