ROBIN GIBB. ROBIN'S REIGN
März 1970
Bereits einige Tage bevor Robin Gibb
offiziell seinen Austieg von den Bee Gees erklärte,
hatte er gemeinsam mit Bruder Maurice die Aufnahmen für sein Soloalbum
begonnen. So entstanden 'Saved By The Bell', das er schon für Odessa geschrieben hatte,
'Alexandria Good Time', das die B-Seite der ersten Single werden sollte
(worauf wegen technischer Probleme jedoch in letzter Sekunde verzichtet
werden musste), 'Mother And Jack' (das schließlich zu jener B-Seite
wurde), sowie 'Janice' ein episches Werk, das bis heute
unveröffentlicht geblieben ist.
Nachdem der Ausstieg offiziell war, und Robin Gibb
auf Bruder Maurice verzichten musste, begann er die meisten Instrumente
selbst zu spielen, überließ lediglich die Arrangements Kenny
Clayton und setzte statt eines Schlagzeugers eine recht
simple und frühe Version einer Drum-Maschine ein. (Damit war er der
erste, der ein solches Gerät professionell einsetzte.)
Die spartanische Arbeitsweise, bedingt einerseits durch Geldmangel,
andererseits durch die beschränkten Fähigkeiten an den Instrumenten,
zwangen Robin Gibb nicht nur zu einer völlig neuen
Arbeitsweise, sondern führten auch zu einer etwas unbeholfen wirkenden
Produktion, die jedoch genau daraus ihren Reiz zog.
Da Robert
Stigwood Robin Gibb nicht aus seinem
Vertrag entlassen wollte, mussten die Gerichte entscheiden, was Robin
Gibb zu einer mehrmonatigen Pause zwang. Nur so war zu
verhindern, dass seine Solo-Arbeiten automatisch Eigentum von Stigwood
wurden.
Schließlich einigte man sich und mit einem neuen Vertrag mit Vic
Lewis von NEMS in der Tasche, konnte Robin
Gibb dann im September seine Arbeit wieder angehen.
Im Sommer hatte Polydor 'Saved By The Bell' bereits als Single veröffentlicht und Robin Gibb kündigte bald darauf in einem Interview ein Album namens 'My Own Work' an. Von den insgesamt 11 Songs, die er damals benannte, fand sich auf 'Robin's Reign' nicht ein einziger wieder. Ich erinnere mich auch an Interviews, in denen er seinen Abschied aus dem Popmusikzirkus ankündigte, um sich fortan dem Komponieren von Musicals zu widmen. Es gab Tourneegerüchte, Pläne für eine Soundtrack oder ein Filmdrehbuch oder auch beides gleichzeitig. Es war für Robin Gibb offenbar eine turbulente Zeit - und für seine Fans auch.
Im September und Oktober entstanden alle restlichen Songs von 'Robin's Reign'. Etwa gleichzeitig wurde ein Acetat in Umlauf gebracht, das das legendäre (von vielen als "Meisterwerk" bezeichnete) 'Hudsons Fallen Wind' in seiner kompletten Länge von über 12 Minuten enthielt. Doch auch dieser Song blieb unveröffentlicht. Lediglich ein Teil davon fand unter dem Namen 'Farmer Ferdinand Hudson' seinen Weg auf 'Robin's Reign'
Nach
wie vor ist nicht ganz klar, warum sich die Veröffentlichung des Albums
bis ins folgende Jahr hinein verzögerte. Robin Gibb
hatte längst begonnen für das geplante Nachfolgealbum 'Sing Slowly
Sisters' Songs einzuspielen, als 'Robin's Reign' Anfang März erschien.
Die Verkäufe waren jedoch so schlecht, dass an das Nachfolgealbum bald
kaum mehr zu denken war.
Dabei ist
das für das geplante Album eingespielte Material beinahe besser als
jenes, das man von 'Robin's Reign' kennt. Die diversen Bootlegs, die
seit den 90er Jahren in Fankreisen kursieren, sprechen für sich und es
werden immer wieder Stimmen laut, die die offizielle Veröffentlichung
des Materials für überfällig halten. In einer BBC-Sendung
vom Mai 2007, die eben jenem 'Lost Album' gewidmet war, erklärte Robin
Gibb allerdings, dass die Masterbänder nicht mehr
existierten. Insider vermuten schon lange, dass sämtliche Masterbänder Robin
Gibbs aus dieser Zeit, inklusive derer von 'Robin's Reign',
verschollen sind oder gar vernichtet wurden. Die besten derzeit
bekannten Aufnahmen, auf die auch Robin Gibb in
erwähnter BBC-Sendung zurück griff, stammen von
mindestens zwei Acetaten, die Anfang und Ende Februar 1970 zu
Promotionzwecken angefertigt wurden.
Trotzdem gibt es aus gut unterrichteten Kreisen
die Information, dass Robin Gibb eine Wiederveröffentlichung dieses gesamten
Solomaterials aus dieser Phase seiner Karriere plant - möglicherweise für das Jahr
2010.
Die Single Version von 'Saved By The Bell' hinterließ im Mono-Mix (auf der CD Rare Collection zu finden) einen sehr viel solideren Eindruck als die Stereo-Version des Albums und war sogar einige Sekunden länger. Merkwürdigerweise wurde von 'One Million Years', das nur in Deutschland auf 'Robin's Reign' enthalten war, vom Mono-Mix der Single eine grauenhafte Pseudo-Stereo Version hergestellt, obwohl es eine "richtige" Stereo-Version ja eigentlich gab (die dann 1974 kurioserweise auf der britischen Compilation 'Gotta Get A Message To You' erschien)! (Mit dem neuen Jahrzehnt war dann aber Schluss mit Mono und all dem damit verbundenen Kuddelmuddel!)
Mit 'Saved By The Bell' hatte Robin Gibb in Europa einen Riesen-Hit gelandet. In Deutschland erreichten auch 'One Million Years' und 'August October' die Top 20. Der Rest der Welt hatte an Robin Gibbs Solokarriere jedoch wenig Interesse.
Auf CD ist dieses Albums 1992 ausschließlich in Deutschland kurzzeitig auf dem Polydor Budget-Label Spectrum erschienen und zählt zu den begehrtesten Raritäten unter Bee-Gees-Fans. Da das Solowerk der Bee-Gees-Mitglieder jedoch nicht in dem neuen Vertrag der Brüder Gibb mit Reprise Records enthalten ist, wird 'Robin's Reign' auf absehbare Zeit wohl keine Wiederveröffentlichung erleben.




