BEE GEES Discografie

MAURICE GIBB. RAILROAD (SINGLE)

April 1970

Am 9. Dezember 1969 gab Barry Gibb das Ende der Bee Gees bekannt. Am selben Tag begann Maurice Gibb mit den Aufnahmen zu seinem Soloalbum. Gemeinsam mit Gitarrist Leslie Harvey von Stone The Crows, Pianist John Coleman, der zeitweise mit Lulu gearbeitet hatte, und Schlagzeuger Geoff Bridgford zog Maurice sich ins Nova Sound Studio in Londons Bryanston Street zurück. Dabei entstand neben 'Railroad' und 'I've Come Back', die im folgenden Jahr auf Single erscheinen sollten, der Song 'The Loner', der wie kein zweiter für die glücklose "Solo-Karriere" Maurice Gibbs steht.
Bis heute sind unzählige Bootleg-CDs erschienen, die sich dieses Materials annehmen und dies mehr oder weniger variieren. Eines haben sie fast alle gemeinsam - den Titel 'The Loner'.

Maurice Gibb war sicher derjenige der Brüder Gibb, der am meisten unter der Trennung litt. Ihm war jegliche Selbstüberschätzung fremd und er war es auch nicht gewohnt allzusehr im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Er konnte sich hinter seinen Brüdern Barry und Robin im Hintergrund halten. Nun stand er selbst als Solokünstler im Rampenlicht. In einem Interview aus dem Jahr 1970 spielte er mit dem Gedanken, sich zukünftig ganz aufs Produzieren zu verlegen. Seine Arbeit mit Steve Kipners Band Tin Tin, die er für seine eigene Produktionsfirma Moby Inc. produzierte, schien im zu Gefallen. Trotzdem ging die Studioarbeit für das Soloalbum weiter.

Sing A Rude Song (Musical) Im Winter 1970 bekam Maurice Gibb eine Rolle in einem von Robert Stigwood produzierten Boulevard-Musical namens 'Sing A Rude Song', in dem die im damaligen England ungemein berühmte Barbara Windsor die Hauptrolle innehatte. Das Musical basierte auf dem Leben der Music-Hall-Sängerin Marie Lloyd (1870-1922) und Maurice spielte deren Ehemann Bernard Dillon. Ein sehr britisches Stück, im Jahr 1910 angesiedelt, kurioserweise nicht mit originaler Musik der Sängerin (sondern mit eigens komponierten Songs von Caryl Brahms, Ned Sherrin und Ron Grainer).
In Greenwich, wo 'Sing A Rude Song' uraufgeführt wurde, war es ein passabler Erfolg. Ende Mai wechselte es ins Londoner Westend. Dazwischen produzierte Maurice Gibb die Album-Version mit der Originalbesetzung, also Barbara Windsor und Denis Quilley in den Hauptrollen, die jedoch nur einen Auszug des Stücks bot. Maurice selbst hatte ein Solo auf dem Album ('Leave Me Here To Linger With The Ladies'), das zur London-Premiere Ende Mai von Polydor veröffentlicht wurde.

Im April war indes die Single 'Railroad' erschienen, die es nirgendwo in der Welt in irgendwelche Charts schaffte und Maurice' Solopläne schnell beendete. Nach seinem Engagement mit 'Sing A Rude Song' setzte er sich mit Bruder Robin Gibb in Verbindung und die beiden trafen sich erstmals wieder gemeinsam in einem Studio.

'The Loner', und fast alle anderen Songs in dieser Zeit, hatte Maurice mit seinem Schwager Billy Lawrie geschrieben. (Lawrie war selbst Sänger und sollte 1973 das Album 'Ship Imagination' veröffentlichen, auf dem ein von Maurice co-produzierter und -komponierter Song enthalten war.) Im Sommer 1970 spielten die beiden für ein Filmprojekt (mit Richard Harris und Romy Schneider) eine neue, kürzere Version von 'The Loner' ein, die 1972 unter dem Pseudonym The Bloomfields auf dem Soundtrack veröffentlicht wurde (und 2001 erstmals auf CD erschien).

Der komplette Rest des Materials der beiden von 1969/70 blieb bis heute unveröffentlicht. Es wurden auch kaum Songs an andere Musiker weitergegeben, so wie das mit vielen der unveröffentlichten Barry-Gibb-Songs aus dieser Zeit geschah.
'Railroad' erschien 1973 auf der Contour-Kompilation 'Gotta Get A Message To You' und 1983 in Deutschland auf der 'Rarities'-LP als Teil der 17-LP Box. Auf CD konnte man den Song erstmals auf der japanischen 'Rare Collection' finden und ein Jahr später auf der Tales-Box. 'I've Come Back' dagegen ist niemals mehr auf einem Album aufgetaucht.


 
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