BEE GEES Discografie

PRODUKTIONEN für ANDERE KÜNSTLER

THE MARBLES

Zu Beginn ihrer Karriere verstanden sich die Bee Gees und insbesondere Barry Gibb in erster Linie als Songschreiber. Das war schon in Australien so und setzte sich ab 1967 in England fort. Die Zeit Barry Gibbs als Songschreiber in Australien dokumentiert die leider nur noch schwer erhältliche CD Assault The Vaults. Auf 31 Tracks werden hier die unterschiedlichsten Sänger- und Sängerinnen, z.T. erstmals auf CD präsentiert.

Einer dieser Sänger ist Trevor Gordon, ein entfernter Cousin der Brüder Gibb, der in deren Schlepptau ebenfalls nach England kam und dort mit Graham Bonnet die Marbles gründete. Die verwandschaftlichen Beziehungen führten dazu, das das Duo zunächst exklusiv von den Bee Gees mit Songs versorgt wurde. 'Only One Woman' , deren erste Single erschien im September 1968 und enterte die Charts in ganz Europa und Australien. Das klang jedoch derart nach Bee Gees ohne deren Gesang, dass die Band schnell eigenes Material veröffentlichen wollte. Doch interne Querelen und das Auseinanderbrechen der Bee Gees beschloss die Karriere des Duos recht schnell.

Übrig blieb ein "posthumes" Album, das erst 1970 erschien und noch einmal die Hits der Band Revue passieren ließ. Bis ins Jahr 2005 musste man allerdings warten, bis dieses Material dann endlich auch auf CD wiederveröffentlicht wurde.

SAMANTHA SANG, P.P.ARNOLD, TIN TIN

Nachdem die Bee Gees sich endgültig getrennt hatten und keiner wusste, wie es so richtig weitergehen sollte, war natürlich die Produktion anderen Künstler eine Möglichkeit, weiter im Geschäft zu bleiben. Das führte aber lediglich zu einigen Singles, meist produziert von Barry Gibb, die jedoch kaum Spuren hinterließen.

Da war zum einen die Sängerin Samantha Sang, die, ebenfalls aus Australien stammend, gerade in London angekomen war und P.P.Arnold eine junge Sängerin, die bereits zwei Soloalben eingespielt hatte ('Angel Of The Morning') und nun bei Polydor untergekommen war. Sie nahm mit Barry Gibb meherere Songs auf, wovon aber nur die Single 'Bury Down By The River' / 'Give A Hand Take A Hand' im Dezember 1969 veröffentlicht wurde. Kurz zuvor war von Samantha Sang 'The Love Of A Woman' / 'Don't Let It Happen Again', beides Gibb Kompositionen als Single erschienen. 'The Love Of A Woman' wurde neun Jahre später für Samantha Sangs Album Emotion neu eingespielt.
Highlight dieses Album war aber natürlich der Song 'Emotion', der im Dezember 1977 veröffentlicht, einer der unzähligen Gibb-Songs war, der zu Beginn des Jahres 1978 die US-Charts verstopfte; und die erste große externe Produktionsarbeit des Teams Barry Gibb, Karl Richardson, Albhy Galuten.

Aber auch Robin Gibb und Maurice Gibb widmeten sich nicht nur ihren Soloarbeiten. Robin Gibb produzierte angeblich die Single der Sängerin Clare Torry im Jahr 1969, was aber bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Auch von Maurice Gibb weiß man, dass er sehr viel Zeit im Studio verbrachte. Im Frühjahr 1970 übernahm er ein Rolle in dem Boulevard-Musical 'Sing a Rude Song' und produzierte auch das dazugehörende Album, das im Mai 1970 in England veröffentlicht wurde.
Darüberhinaus war Maurice Gibb an diversen Sessions seines Schwagers Billy Lawrie beteiligt, von denen das meiste Material jedoch unveröffentlicht blieb.
Am bekanntesten ist aber sicher seine Produktion des ersten Tin Tin Albums 1970 für seine Produktionsfirma Moby. Ebenfalls für Moby realisierte er ein Album des Singer-Songwriters Jimmy Stevens im Jahr 1972, sowie eine Single für Graham Bonnet.

NETWORK, FRANKIE VALLI, TERI DeSARIO, OSMONDS

Die zweite Hälfte der 70er Jahre war ohne Zweifel der Höhepunkt in der Karriere der Bee Gees. Bald standen die Bittsteller in der Tür, die von dem Kuchen ihr Stück abhaben wollen. So kam es zu einigen wenigen Projekten, die über eine Single allerdings nie hinausgingen.
Das Team Barry Gibb, Karl Richardson, Albhy Galuten zeichnete für Networks 'Save Me, Save Me' ebenso verantwortlich wie für Teri DeSarios 'Ain't Nothing Gonna Keep Me From You', beides Songs, die im Zuge des Bee Gees Erfolgs mehr oder weniger Erfolg hatten.

Frankie Vallis 'Grease' war der Titelsong zum gleichnamigen Musicalfilm mit Olivia Newton-John und John Travolta, der von Robert Stigwood produziert wurde. 'Grease' wurde ein weltweiter Hit und der größte für Frankie Valli überhaupt.

Parallel zum Album Spirits Having Flown nahm sich im Herbst 1978 Maurice Gibb dem Album 'Steppin' Out' der Osmonds an. 'Rest Your Love On Me', bekannt durch Andy Gibb, ist jedoch der einzige Gibb-Titel auf diesem Album, das im März 1979 erschien.

ANDY GIBB, JIMMY RUFFIN, BARBRA STREISAND

1977 bekam auch Andy Gibb einen Vertrag mit dem Label RSO, um seine eigenen Platten veröffentlichen zu können. Klar, dass da die Hilfe der großen Brüder nicht ungelegen kam und als Starthilfe dankbar angenommen wurde. Auf dem Debut Flowing Rivers brachte Andy Gibb immerhin acht Titel aus eigener Feder unter. Die beiden Hits jedoch waren Kompositionen seiner Brüder. Und was als Starthilfe geplant war, wurde auf den Alben Shadow Dancing und After Dark zur Gewohnheit. Schließlich ging ohne die Songs der großen Brüder gar nichts mehr. Barry Gibb hielt sich aus der Produktion zwar weitgehend heraus und überließ das seinen Mitstreitern Richardson und Galuten aber trotzdem war da viel mehr Bee Gees und weniger Andy Gibb drin als drauf stand.

Dieser Erfolg ermutigte die Bee Gees erstmals ein komplettes Album für einen anderen Künstler zu produzieren. Denn ausgerechnet Barbra Streisand fragte im Sommer 1979 an. Man könnte sagen: der Rest ist Geschichte! Richtig. Aber man darf auch nicht unterschätzen, welch immense Arbeit hinter Guilty steckte und welch ungeheures Glück das für alle Beteiligten war. Der Erfolg war Basis für einen neuen Weg, der insbesondere Barry Gibb die Möglichkeit gab, eine Zeit zu überbrücken, in der die Bee Gees auf Eis lagen und Soloprojekte nicht das brachten, was man sich erhoffte.

Dass dann 25 Jahre später eine zweite Zusammenarbeit mit Barbra Streisand zustande kam, zeigt deutlich, wie wichtig das Projekt auch für sie und ihre Karriere war. Guilty Pleasures erschien im Herbst 2005

Parallel zu den Aufnahmen zu Guilty übernahmen Robin Gibb und Blue Weaver die Produktion des Albums Sunrise von Motown-Legende Jimmy Ruffin, Bruder von David Ruffin, Sänger der Temptations. Wie sie an dieses Projekt geraten sind, weiß man nicht. Das Ergebnis war ein schönes Album, das jedoch leider keiner kaufen wollte.


DIONNE WARWICK, KENNY ROGERS, DIANA ROSS, CAROLA

Der unglaubliche Erfolg mit Guilty versetze Barry Gibb nun in die glückliche Lage, sich die Jobs aussuchen zu können. Mit Dionne Warwick versuchte man das Rezept von Guilty zu wiederholen. Doch das misslang. Auf künstlerischer Ebene war das Album Heartbreaker eine Enttäuschung. Kommerziell konnte man dagegen zufrieden sein.

Mit dem Kenny Rogers Album Eyes That See In The Dark gingen Barry Gibb, Karl Richardson, Albhy Galuten dann ganz neue Wege und produzierten das Album eines Mainstream Countrypopsängers. Es wurde zwar das erfolgreichste Album von Kenny Rogers aber aber man muss sagen, dass die Songs und der Sänger nicht so recht zueinander passen wollten.

Anders bei Diana Ross. Deren Comebackalbum Eaten Alive sollte an Hits wie 'Upside Down' anknüpfen. Allerdings stellte die Plattenfirma den Produzenten noch Michael Jackson zur Seite und prompt vergeigte der den ohnehin nicht sonderlich gelungenen Titelsong, der, als Single veröffentlicht, kommerziell zurecht floppte und das ganze Album mitriss. Zwar wurde das Album in Europa dann doch noch ein Riesenhit, in Amerika war es abgehakt.

Abgesehen von einem für Larry Gatlins Album 'Smile' komponierten und produzierten Song namens 'Indian Summer' war das Diana Ross Album zunächst die letzte große Arbeit, für die Barry Gibb und sein Produzententeam verantwortlich zeichneten. Ein geplantes Album für Dolly Parton wurde niemals realisiert, ebensowenig wie ein ursprünglich für 1984 angekündigtes Andy Gibb Album.

Unterdessen war Maurice Gibb meist mit Bruder Robin und dessen Soloalben beschäftigt. Außerdem schrieb er einige Scores für mehr oder weniger dubiose Filmprojekte. 1986 übernahm er dann die Produktion des Albums Runaway der schwedischen Eurovisionsteilnehmerin Carola. Ein Album, das unter einem ungünstigen Stern stand und schließlich - völlig zu recht - unbeachtet blieb.

LULU, RONAN KEATING, CLIFF RICHARD

Seit 1986 gab nur noch sporadische Projekte. Abgesehen von einem Song für das Lulu Album Independence in den 90ern und dem Ronan Keating Song 'Lovers And Friends', der auf dem Album Love Songs erschienen ist, herrschte jedoch, mit einer Ausnahme, praktisch bis 2004 Funkstille. 1998 schrieben die Brüder für Celine Dion den Song 'Immortality', der im Zuge des x-ten Comebacks der Band und dem Brimborium um die Vermarktung deren Welttour von 1997, veröffentlicht wurde und für Celine Dion ein respektabler Hit wurde.
Im Herbst 2004 schrieb und produzierte Barry Gibb zwei Songs für Cliff Richard, wovon einer auf dessen Album Something's Goin' On und der andere als B-Seite der gleichnamigen Single verwendet wurde. Diese und die Songs des Barbra Streisand Album Guilty Pleasures unterstreichen nicht nur eine hohe Qualität, sondern auch eine neue Art des Songschreibens. Das hat mit dem Singwriting eines Barry Gibb früherer Jahre nichts mehr zu tun hat. Mit seinen Söhne Stephen und Ashley Gibb hat er heute zwei hervorragende Co-Autoren gefunden, die mit ihm in wechselnden Konstellationen praktisch alle Songs für Guilty Pleasures geschrieben haben. Gleichzeitig hat er mit John Merchant einen Co-Produzenten an der Seite, der diese Songs auch perfekt umzusetzen versteht.
Es wäre durchaus wünschenswert, wenn dieses Team in Zukunft öfter in Erscheinung treten würde.


 
Spicks & Specks Bee Gees News