BARRY GIBB. NOW VOYAGER
September 1984
'Now Voyager' wurde generalstabsmäßig
vorbereitet und sollte DAS große Ding aus dem Hause Gibb werden.
(Während Robin Gibb parallel gerade sein
wohl billigstes Album veröffentlicht hatte.) Barry Gibb,
offenbar von Robert Stigwood inspiriert,
leierte Irving Azoff und der Firma MCA einen
Multi-Millionen-Deal für mehrere Alben aus dem Kreuz, wie es sonst nur
einem Michael Jackson oder einem Prince
möglich gewesen wäre. Nur die teuersten Musiker wurden engagiert und
reichlich Studiozeit gebucht.
Gleichzeitig wurde eine Videoproduktion gestartet, die zu allen Songs ein Video herstellen sollte. Das war schon größenwahnsinnig genug um zu merken, dass hier in etwas zu großen Schuhen geplant wurde. Zwar hatte MCA mit der Videoproduktion nichts zu tun, aber trotzdem war das Risiko groß, das ein Barry Gibb Album diesen Dimensionen, gerade in Amerika, nicht gewachsen war. Andererseits war ein Projekt dieses Ausmaßes nur in den USA umsetzbar.
Albhy Galuten wollte Barry Gibb von der zermürbenden, rein mechanischen Studioarbeit wegbringen und wieder mehr zum eigentlichen Handwerk zurück. Er schlug vor, die Songs live auf einer Theaterbühne einzuspielen. Doch Barry war dagegen und Albhy Galuten verabschiedete sich aus dem Projekt.
Und so platze das Riesen-Ding wie eine Seifenblase, entpuppte sich als viel heiße Luft. Barry Gibbs Versuch ein 'internationales' Album zu produzieren, ging vor allem deswegen schief, weil einfach nur gute Songs (leider) noch kein Album machen. Die komplette Produktion klang eher bemüht als inspiriert, fand nie in die Gänge, blieb auf halber Strecke hängen, wirkte überproduziert, zu kalkuliert, kalt Als hätte Albhy Galuten es geahnt. Wie hätte ein Song wie 'I Am Your Driver' live eingespielt klingen können? Man mag es sich kaum vorstellen. Zumindest nicht so maniriert, wie er da am Anfang dieses Albums steht.
Schade, denn das Potential, das alleine die Songs hatten, war gewaltig. Während die Single 'Shine Shine' noch ein achtbarer Hit war, blieb dem Album jeglicher Erfolg verwehrt. Der Deal mit MCA hatte natürlich auch sehr grosse Erwartungen geweckt. Doch Platte wie Videocassette machten eher einen peinlichen Eindruck. Irgendwie kein Wunder, dass der Erfolg ausblieb.
Irving Atzoff, damals gerade neuer Präsident von MCA und angetreten, das finanziell angeschlagene Unternehmen wieder auf die Beine zu kriegen, musste den Flop irgendwie persönlich genommen haben. Für MCA war der Misserfolg jedenfalls ein finanzielles Desaster und ein derartiger Schock, dass alle weiteren Bemühungen Barry Gibbs, in Amerika ein Solo Album zu veröffentlichen, vereitelt wurden. Keine Ahnung, was Barry Gibb Atzoff damals versprochen hatte, dass er so rigide reagierte. Jedenfalls war das das Ende für Barry Gibb als Solomusiker. Das für 1986 geplante Nachfolgealbum blieb unveröffentlicht und das 1988 erschienene Album Hawks wurde nur in Europa veröffentlicht. In Amerika blieb es bis heute unveröffentlicht.





