MR. NATURAL
Juli 1974
Im Sommer 1974 erschien mit 'Mr. Natural' das
10. Studioalbum der Bee Gees. Ein Album,
das vielleicht das Interessanteste in der Karriere der Band darstellt.
Zurück in England, standen die Bee Gees
mit Arif Mardin (==> News)
als Produzenten und Arrangeur in den IBC Studios in London. Noch nichts
zu hören von dem Wandel zum R&B (oder "Blue-eyed-soul"), der
die
Band ein Jahr später zu einem großartigen Comeback verhelfen sollte.
'Mr. Natural' bot das, was nahe lag: Rockmusik. Auf keinem anderen
Album der Bee Gees finden sich so viele
Rocksongs. Aber es wäre natürlich kein Bee-Gees-Album,
wären da nicht auch die typischen Balladen, die hier aber weitaus
vielseitiger ausfallen, als man das bisher gewohnt war. Arif
Mardin (==> News) verstand
es glänzend, den Brüdern die Leidenschaft, den Soul zurück zu geben;
Mardins größter Verdienst.
Erstmals waren Geoff Westley und Dennis Bryon aus der Live-Band der Bee Gees mit im Studio. Das wirkte sich auf den Sound aus, der vielmehr nach einer Band klang, als auf früheren Alben. Zudem war Mardin kein Freund von Overdubs und ähnlichen Studiotricks. Für ihn standen die Musiker im Vordergrund. Und natürlich das Songmaterial, das so geschickt ausgewählt war, dass praktisch kein Song dem anderen glich und somit ein äußerst vielseitiges aber doch geschlossenes Album enstand.
Die Bee Gees lieferten als Rockband Vozügliches wie 'Heavy Breathing', 'Down The Road', das gemäßigtere 'Mr. Natural' und die Ballade 'I Can't Let You Go' ab; und als Songwriter gelangen ihnen Perlen wie 'Voices' oder des mysteriöse 'Dogs'. Aber vor allem die Balladen haben es in sich, zumal das Album mit dem ungewohnten 'Charade', wunderschön arrangiert von Arif Mardin (==> News), eröffnet. Aber auch 'Voices', eine typische Robin-Gibb-Ballade, und als Höhepunkt das unvergleichliche 'Lost In Your Love' von Barry Gibb, geben dem Album eine Stimmung, die perfekt die Balance zwischen dem typischen Bee-Gees-Sound früherer Tage und neuer Impulse hielt. Und es ist mehr als bedauerlich, dass alle diese Songs sang- und klanglos untergigen. Alleine 'Down The Road' schaffte es in die Setliste der 76er Tour.
Maurice
Gibb
erwähnte einmal in einem Interview, das Unangenehme an den Aufnahmen zu
diesem Album sei gewesen, dass sie während einer Konzertreihe
entstanden und immer wieder unterbrochen werden mussten.
Möglichwerweise war das aber auch der große Vorteil, denn so lag es
einerseits nahe Geoff Westley und Dennis
Bryon mit ins Studio zu nehmen und andereseits konnte so die
Energie der Auftritte auf die Aufnahmen wirken und dem Album seinen
kraftvollen und warmen Sound verleihen. Die Bee-Gees-Fans,
die das Album damals kauften, waren allerdings ziemlich unter sich.
'Mr. Natural' floppte erbarmungslos. Trotz des schönen Covers verkaufte
das Album weltweit kaum 100.000 Exemplare und geht so gemeinsam mit Cucumber Castle als das am
schlechtesten verkaufte Bee-Gees-Album in
die Geschichte ein. (Für viele Fans stellt es jedoch bis heute ein
Highlight in der Diskografie der Band dar. )
Und so wurde es im Anschluss an 'Mr. Natural' sehr still um die Band.
Alleine im fernen Asien und im noch ferneren Australien absolvierten
sie im Herbst recht umfangreiche Tourneen.





