2 YEARS ON
Dezember 1970
'2 Years On' - der Titel sollte zwei Jahre
vergessen machen, die nicht nur den Fans der Bee Gees
weh getan hatten. Auch die Brüder selbst mussten eine Menge Lehrgeld
zahlen. Durchaus auch ein heilsamer Prozess für das eine oder andere
Ego, das in allzu großen Höhen ziellos umherschwirrte.
'2 Years On' litt vor allem an dem knappen Zeitplan. Der etwas halbgare Eindruck, den das Album macht, ist sicher der Tatsache geschuldet, dass praktisch nur ein Monat zur Verfügung stand um neues Material einzuspielen. Zwar hatten die Brüder in ihren Solo-Zeiten mehr als genug Material geschrieben, doch beide Brüder, Barry ebenso wie Robin, planten noch im September 1970, die Bee Gees als Projekt neben ihren Solokarrieren zu verfolgen. So saßen erneut Manager und Anwälte beieinander, um das beste für ihre jeweiligen Mandanten herauszuholen. Vor allem Robert Stigwood war daran gelegen, die Band wieder zusammenzubringen. Cream hatte sich bereits Ende 1968 getrennt, das Nachfolgeprojekt Blind Faith nach nur einem Album ebenso und Eric Clapton, der mit seiner Band Derek & The Dominoes im Studio war und den der Tod seines Freundes Jimi Hendrix stark zugesetzt hatte, begann immer größere Probleme mit Drogen zu bekommen. Stigwood, dessen Zeichen weiter auf Expansion standen, konnte eine funktionierende Band im Rock- und Popbusiness also gut gebrauchen.
Bereits im Juni hatten Robin Gibb und sein Zwillingsbruder Maurice erstmals wieder gemeinsam im Studio gestanden. Bis auch Barry Gibb wieder mitmachte dauerte es noch drei weitere Monate. Schon im November erschien dann mit 'Lonely Days' die Reunion-Single und das Album stand im Dezember in den Läden. Dabei war 'Lonely Days' einer von nur drei B.R.& M. Gibb-Songs. Den Rest machten zumeist Solokompositionen aus, die auch "Solo" eingespielt wurden. Lediglich Maurice Gibb ist auf allen 12 Songs zu hören.
Heute, da man viel von dem unveröffentlichten Solo-Material der Gibb-Brüder kennt, muss man feststellen, das ein Song wie 'Tell Me Why' oder auch 'Portrait Of Louise', beides Barry-Gibb-Songs, gegenüber dem Material von z.B. 'The Kids No Good' deutlich abfällt. Da hat man offenbar rund um die Reunion doch noch reichlich gepokert und den Frieden noch nicht so ganz getraut und die besseren Songs in der Hinterhand behalten.
Dieses Album lief - erstmals - in Amerika erfolgreicher als in Europa. Vor allem das als Single ausgekoppelte 'Lonely Days' war in den USA Top 3, wurde in Europa jedoch eher ignoriert. Das Album selbst verkaufte sich weltweit gesehen allerdings eher mäßig, war für Fans allerdings ein echtes Highlight nach all den Querelen der vorangegangenen 18 Monate. Sämtliche Solopläne wurde schließlich beerdigt und der Vertrag, den Stigwood 1967 mit den Bee Gees abgeschlossen hatte, wurde wieder in Kraft gesetzt.

Im
September 1970 hatte Barry Gibb eine neue Version
seiner 66er-Komposition 'In The Morning' eingespielt. Der Song, der nun
'Morning Of My Life' hieß, wurde für den Soundtrack des Film 'Melody'
benutzt, der im Mai 1971 erschien und außerdem die Bee-Gees-Songs
'Melody Fair', 'Give Your Best', 'To Love Somebody' und 'First Of May'
enthielt, sowie diverse Variationen der Songs, von Richard A.
Hewson (RAH Band) arrangiert und vom Richard Hewson
Orchestra eingespielt. Der Film war in Japan eine
sensationeller Erfolg und bescherte dem Soundtrack Platz 1 der
japanischen Albumcharts.
2002 wurde der Soundtrack als CD
mit einem ausgezeichneteb Remastering wiederveröffentlicht.


