HORIZONTAL
Februar 1968
'Horizontal' kam 9 Monate nach Bee Gees 1st viel düsterer,
weniger psychedelisch und mit ungewohnt scharfen Gitarrenriffs daher
und betonte die beiden Seiten der Band viel deutlicher als das das
Debutalbum zu vermitteln vermochte. ('World' komprimiert diesen Aspekt
in einem einzigen Song.) Und Songs wie 'With The Sun In My Eyes' oder
'Really And Sincerely' gaben dem Album einen für damalige Zeiten
ungewöhnlich düstere Note. Der Blues (im direkten Sinn, wie auch im
übertragenen) dominiert dieses Album.
Ein Grund dafür mag sein, dass das Hither Green
Zugunglück genau in die Zeit fiel, in der das Album eingespielt wurde. Robin
Gibb hatte das Unglück damals wie durch ein Wunder überlebt
und seine Eindrücke direkt in den Song 'Really And Sincerely'
einfließen lassen. Aber auch der Tourstress und Vince
Melouneys Anspruch, mehr in den Sound der Band integriert zu
werden (sprich: mehr Leadgitarrenparts zu bekommen) mag für den
Soundwechsel mit verantwortlich gewesen sein.
Die Aufnahmen zu dem Album begannen im August 1967, knapp einen Monat nach der Veröffentlichung von Bee Gees 1st. Pausen gab es wenige. Die Bee Gees spielten verschiedene Einzelkonzerte, bzw. auf Festivals. Die erste Tournee sollte 1968 starten und für Ende Januar 1968 war der erste Auftritt in den USA geplant.
Robert Stigwood verließ zum Jahreswechsel 1967/68 die Agentur NEMS, nachdem sein Partner Brian Epstein, der NEMS 1963 gegründet hatte, unerwartet verstorben war. Seine Künstler (Bee Gees, Cream) nahm er mit und machte sie zur Basis der Robert Stigwood Organisation. Seine Arbeitsweise beinhaltete die komplette Kontrolle seiner Künstler einerseits aber auch die feste Überzeugung, dass man einer Band optimale Bedingungen bieten muss, um gute Ergebnisse zu erzielen. So hatten die Bee Gees reichlich Studiozeit, vor allem in den IBC Studios in London. Stigwood ermutigte sie alles auszuprobieren - zumal das Studio die damals modernste 4-Spur-Technik und somit ein breites Experimentierfeld bot.
Mit 'World'
und 'Massachusetts' enthält 'Horizontal' zwei Top 10 Hits und mit
'Massachusetts' (bereits im September 1967 veröffentlicht) auch noch
die erste # 1 Single in England und Deutschland.
Auch dieses zweite Werk der Bee Gees
verkaufte nirgendwo so viele Exemplare wie in Deutschland und belegte
hierzulande im Frühsommer 1968 die Spitze der Album Charts.
Auch 'Horizontal' erschien
sowohl als Mono- und als Stereo-Mix 1968 auf LP. Die Mono-Version
unterschlägt einige der Arrangements, die im Stereo-Mix zu hören sind.
Was allerdings durchaus beabsichtigt war, um den Mono-Sound nicht zu
sehr zu überladen. Der Nebeneffekt war, dass diese Version des Albums
noch trockener und rauher klang, als sein Stereo-Pendant. Wer jahrelang
nur die Mono-Version gehört hatte und erst später die Stereo-Variante,
könnte auf die Idee kommen, ein ganz anderes Album zu hören.
Allerdings wurden um die Stereomixe damals nicht viel Aufwand
betrieben. Mono war zu dieser Zeit noch der Standard, zumal das Radio
in Mono sendete und somit auch die Singles einen Monomix benötigten.
Die 4-Spur-Aufnahmen wurde deswegen zunächst immer zu einer Monospur
gemischt. Der Steromix wurde erst dann produziert, wenn er benötigt
wurde (und das von Leuten, die damit noch kaum Erfahrung hatten - erst
bei Idea wurden spezielle
Soundingeneure für den separaten Steromix eingesetzt). Wenn ein Song
wie 'Words' zunächst nur als Single veröffentlicht werden sollte, wurde
eben kein Steromix angefertigt. Als Atco für die
US-Version von Best Of Bee Gees
1969 eine solchen Mix verlangte, wurde offenbar recht kurzfristig eine
ziemlich schlampige Stereo-Version zusammengschustert, die uns noch auf
Jahre auf allen möglichen LPs und CDs begegnen sollte, bis sie 1990
erstmals neu abgemischt auf der Tales-Box
erschien (die deutsche Best Of Bee
Gees enthielt damals die Mono-Version) (Im Übrigen ist auch
bei 'World' ein Vergleich zwischen der Version der Tales-Box und der aktuellen
remasterten sehr interessant!).
Die remasterte Version war auch Teil des im Herbst 2006 erschienen Boxsets The Studio Albums 1967-1968, das im Sommer 2007 auch in einer üppgen Vinylversion auf 6 LPs veröffentlicht wurde. Während das Album als Doppel-CDs inzwischen auch einzeln im Handel zu bekommen ist, ist die Vinylversion ausschließlich mit der Box erhältlich.






