BARBRA STREISAND. GUILTY PLEASURES
September 2005
Für dieses neue Album der Barbra
Streisand, ihrem ersten seit mehreren Jahren, fand sie
sich, 25 Jahre nach dem immensen gemeinsamen Erfolg des Albums Guilty, wieder mit Barry
Gibb zusammen, um dieses Jubiläum angemessen zu feiern:
mit einem weiteren Album!
Nach 25 Jahren sollte (und durfte) man natürlich kein neues "Guilty"
erwarten (auch wenn der Titel des Albums, der auf Druck der Plattenfirma zustande kam das nahelegt); viel erwarten durfte man
jedoch durchaus. Sowohl die Streisand Fans als auch die Fans der Bee
Gees oder Barry Gibbs
fieberten diesem Album monatelang entgegen.
Die Produktion ist, das muss man nicht großer Erwähnen, einer Barbra Streisand angemessen. Da stimmt jedes Detail, das ist eher zu perfekt als in irgendeiner Form nachlässig. Das ist vielleicht das einzige Manko des Albums vor allem für europäische Musikliebhaber, dass das Album ganz klar für den amerikanischen Markt produziert wurde.
Egal: die Songs machen die Musik und hier spürt man deutlich,
wie gut sich Barry Gibb und Barbra
Streisand offenbar verstehen und wie gezielt Barry
Gibb Songs für andere Sänger in der Lage ist zu
komponieren. Das war schon das ganz große Plus von Guilty und wird hier offenbar
perfektioniert, denn die Songs scheinen seit Anbeginn der Zeit auf Barbra
Streisand gewartet zu haben.
Dabei lieferten die im Vorfeld veröffentlichten Songs (etwa "Stranger
In A Strange Land") zunächst keinen Anlass zu übermäßiger Begeisterung.
Ein wenig dünn kamen diese Songs daher. Ebenso (leider) der Titel "(Our
Love) Don't Throw It All Away", der
einst von Andy Gibb interpretiert wurde,
dem die Streisand nicht viel Neues abgewinnen kann.
Der komplette Rest des Albums jedoch ist Popmusik vom Allerfeinsten. 9 Songs, die praktisch keine Wünsche offenlassen und sowohl die Streisand Fans glücklich machen sollten, als auch die durch fragwürdige Aktivitäten und Produkte Robin Gibbs (in der Zeit davor) geschundene Seele der Bee Gees Fans, wieder aufhellen könnten: es gibt auch noch Qualität aus dem Hause Gibb!
Die Highlights sind ganz klar "Hideaway" und "It's Up To You". Zwei der 9 Songs, die Barry Gibb gemeinsam mit seinen Söhnen Stephen und Ashley geschrieben hat, beweisen eine neue Qualität im Songwriting des Ex-Bee Gee und haben nur noch wenig mit herkömmlichen Bee Gees Kompositionen zu tun. Sie gestalten sich sehr viel komplexer, jedoch immer den Punkt treffend und sind niemals unnötig ausufernd. Das ist ganz hohe Kunst der Popmusik!
Und Barbra Streisand adelt sie dann mit der Kunst, die ihr Zueigen ist. Ihre Stimme hat absolut nichts von ihrer Kraft und Ausdrucksstärke verloren. Sie gibt den Songs Wärme und kann auch mit kompliziertesten Melodien spielend umgehen.
Den Abschluss des Albums bildet übrigens der Song "Letting Go" (ein Highlight für die Stimme der Streisand), der aus dem Jahr 1988 stammt und der den Wandel im Songwriting des Barry Gibb sehr deutlich macht.
Die DualDisc bietet neben dem kompletten Album auf der DVD-Seite zusätzlich ein ausführliches Interview mit den beiden Hauptprotagonisten sowie vier Videos.



