BEE GEES Discografie

THEIR GREATEST HITS: THE RECORD

November 2001

Eine neue Best of, 12 Jahre nach der letzten Collection, der Tales-Box, die so richtig sicher keiner, braucht, der nur gelegentlicher Bee Gees Fan ist. Der echte Bee Gees Fan allerdings bekommt für sein Geld eine Doppel CD mit 40 Hits, die er alle schon kennt. Trotzdem lohnt es sich zumindest mal reinzuhören, denn besonders die Titel ab etwa 1975 klingen auf diesem Album besser als auf älteren Veröffentlichungen. Die 60er Jahre Titel dagegen klingen ein wenig verhangen, dumpf; aber auch nicht schlechter als auf der Tales-Box zum Beispiel. Trotzdem schade.
Im Gegensatz dazu könnte man meinen, 'Stayin' Alive' sei neu aufgenommen. Echt super! Ein weiterer Grund, der für das Album spricht, sind die vier 'neuen' Titel, die natürlich nicht neu, sondern lediglich bis zum damaligen Zeitpunkt unveröffentlicht waren.

Da wäre zum einen 'Emotion', ursprünglich von Samantha Sang interpretiert, das hier von Barry und Robin Gibb gesungen wird. Es wurde 1994 aufgenommen und ist ein wenig lahm im Gegensatz zum Original - aber hübsch. Barry Gibbs, ebenfalls 1994 eingespielte Version von 'Heartbreaker' (Dionne Warwick) kommt da schon ein wenig besser. Wirkt auf jeden Fall besser als das Original, nicht so dünn produziert und ist im Grunde der perfekte Barry-Song.

'Island In The Stream', der fulminante Rogers / Parton Hit von 1983 ist die eigentliche Überraschung. Der von Robin Gibb gesungene Titel, der zeitlich nur schwer einzuordnen ist (klingt fast, als sei er neu eingespielt), zeigt ganz neue Qualitäten.
Völlig daneben ist Barry Gibbs Falsett-Version von 'Immortality', die richtig überflüssig klingt, und wie ein Bremsklotz wirkt. Offenbar handelt es sich hier um die 1996er Demoversion dieses Titels. Im Übrigen scheint es sich bei allen 'extra-Tracks' mehr oder weniger um Demoversionen zu handeln, die speziell für diese Compilation noch mal bearbeitet wurden.

Der unfreiwillige Höhepunkt der Erstauflage der CD war jedoch, dass es im Grunde noch einen 'extra-Track' gab, den der den Hardcore-Bee-Gees-Fan in Verzückung versetzte. 'How Can You Mend A Broken Heart' wurde versehentlich in einer bis dato unveröffentlichten Version, bei der alle Leadvocals von Barry Gibb gesungen (Robin Gibb also komplett fehlt). Schon peinlich, dass da offensichtlich die Masterbänder verwechselt wurden, zumal die Credits eindeutig die Album-, bzw Singleversion auswiesen. Also ein Versehen, das, wie gesagt, den Bee Gees Fan zwar gefreut haben dürfte und diese erste Auflage des Albums fast zu einer Rarität werden ließ, aber nur ein Aspekt dafür ist, dass diesem Produkt nicht allzuviel Sorgfalt entgegengebracht wurde. Denn weit ärgerlicher ist da, dass von 'Lonely Days' der erste Ton (gut es ist nur ein Ton, aber der erste!) unterschlagen wurde. Auch zeimlich peinlich!

Und auch die Tatsache, dass auf CD 2 einige Titel vorzeitig ausgeblendet werden, um die Spiellänge der CD hinzukriegen, zeigt wie gedankenlos und uninteressiert man hier zu Werke ging, um ein schnelles Produkt in die Läden zu drücken.
Bei einigen Titeln sinds zwar nur Sekunden, bei 'For Whom The Bell Tolls' aber über eine (!) Minute, und die Blende ist eine echte Katastrophe. Auch bei 'Alone' wird verfrüht ausgeblendet.

Das lustlose Gesamtbild dieser Doppel-CD zeigen dann auch die Aufmachung des Booklets, das man kaum als solches bezeichnen kann, die Auswahl der Bilder und auch die Linernotes, in denen die Veröffentlichung von 'New York Mining Disaster 1941' doch glatt ins Jahr 1966 vorverlegt, während der Rest der 35 Jahre der Karriere der Bee Gees in 10 Sätzen abgehandelt wird.

Und obwohl alle offensichtlichen Fehler inzwischen behoben wurden, darf man nicht zuviel von diesem Album erwarten. Trotzdem: die Würdigung des Gesamtwerks der Bee Gees, die dieses Album darstellt, ist halbwegs gelungen, und wird durch diese 40 Titel durchaus repräsentiert; und mit 'Spicks & Specks' am Ende des Albums wird frei nach James Joyce das Bee Gees-Motto des Jahres 2001 noch einmal wiederholt: 'This Is Where I Came In'!


 
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Spicks & Specks