BEE GEES FIRST
Juli 1967
Bis heute zählt dieses erste internationale
Album der Bee Gees zu den Highlights des
Psychedelic-Pop. Alles, was ein Album seinerzeits (aber auch in der
Rückschau) brauchte, kann man hier finden: alberne Popsongs ('Red
Chair Fade Away', Cucumber Castle'), melancholische Balladen
('Holiday') und diese kleinen Hymnen, derentwegen wir die Bee
Gees ja so lieben. Der ganze Optimismus, der ausgehenden
Swinging Sixties ist hier durch die meist grossartigen Songs
dokumentiert.
Am 6.
Februar 1967 kamen die Brüder Gibb (samt Eltern und Ossie
Byrne im Gefolge) in England an und begannen sofort die
Plattenfirmen abzuklappern - nichtsahnend, dass Festival
Records (während sich die Band auf hoher See befand) die
kleine Plattenfirma Polydor in London kontaktiert
hatte und die Single 'Spicks And Specks' dort anbot. Ob es sich dabei
um eine Aktion des australischen Produzenten Nat Kipner
handelte, kann man nur vermuten. Jedenfalls hatten die Bee
Gees praktisch schon einen Plattenvertag mit Polydor
in der Tasche, bevor sie Europa überhaupt erreicht hatten.
(Das ist auch der Grund, warum nie ein Bee-Gees-Album auf Robert
Stigwoods eigenem Label Reaction Records
veröffentlicht wurde.)
Robert Stigwood erhielt die von Vater Hugh Gibb verschickten Demos (alles Material aus dem St. Clair Studio), sowie das Spicks And Specks Album im Januar 1967, und erkannte schnell das Potenzial der Band. Er organisierte ein Vorspielen in London (im kleinen Polydor-Studio). Dabei brachten Barry und Robin Gibb in nur 15 Minuten 'New York Mining Desaster 1941' zu Papier, was Stigwood mehr als überzeugte. Er engagierte die Band mit einem 5-Jahresvertrag für seine Robert Stigwood Organisation. Der Vertag wurde am 24.Februar unterschrieben. Am selben Tag erschien in Europa auf Polydor 'Spicks And Specks'.
Die Bee
Gees waren fortan Angestellte von Robert Stigwood.
Sie produzierten für seine Firma und diese lizenzierte die Werke zwecks
Veröffentlichung an die Plattenfirmen. Mit Polydor
hatte er bereits 1966 einen Vertriebsabkommen für den europäischen
Markt geschlossen. Um auch den amerikanischen Markt bedienen zu können,
einigte sich Stigwood im März 1967 mit Ahmet Ertegun
von Atlantic Records. Deren Unterlabel Atco
veröffentlichte die Bee-Gees-Schallplatten fortan im Amerika .
Als die Band mit Colin Petersen, Vince
Melouney und Bill Shepherd
vervollständigt wurde, konnten die Aufnahmen zum "ersten" Album bereits
Anfang März (genau einen Monat nach Eintreffen der Band in London)
beginnen.
Aus diesem
Album wurden zwei Singles ausgekoppelt. 'New York Mining Desaster 1941'
wurde bereits vorab im April 1967 veröffentlicht und erreichte Platz 10
der deutschen Singlecharts. Kurz vor Veröffentlichung des Albums
erschien 'To Love Somebody' als Single und kletterte die Charts bis auf
Platz 19 hinauf.
Das Album selbst erreichte in Deutschland Platz 4 der LP-Charts.
Ähnlich gut lief das Album in den USA und England. Nirgendwo jedoch
wurden mehr Einheiten davon verkauft als in Deutschland!
Wie damals
nicht unüblich, wurde von diesem Album eine Mono- und eine
Stereo-Version produziert. Mono war 1967 in England aber auch in den
USA durchaus noch der Standard. Die einzelnen Titel unterscheiden sich
oft erheblich in ihren Mixen. So blenden viele Stereo Mixe früher aus,
was den Mono-Alben eine etwas längere Spielzeit bescherte.
Generell kann man aber
durchaus sagen, dass die Mono Mixe auf den Vinyl-Veröffentlichungen
besser klangen. Erst die in den 80er Jahren erschienene Polydor CD
konnte mit Stereoklang aufwarten, der etwas besser war. Doch erst die
remasterte Rhino-Version zeigte, wie hervorragend die originalen
Masterbänder 1967 eigentlich produziert worden waren.
Diese remasterte Version war auch Teil des im Herbst 2006 erschienen Boxsets The Studio Albums 1967-1968, das im Sommer 2007 auch in einer üppgen Vinylversion auf 6 LPs veröffentlicht wurde. Während das Album als Doppel-CDs inzwischen auch einzeln im Handel zu bekommen ist, ist die Vinylversion ausschließlich mit der Box erhältlich.





